Der Knacks
Zur Zeit lese ich das Essay “Der Knacks” von Roger Willemsen und jeder, der glaubt, einen Knacks zu haben, sollte dieses Buch vermutlich lesen.
Hier ein, wie ich finde, irgendwie wunderbar trauriges Zitat:
“Die Zärtlichkeit reifer Frauen tendiert zum fatalistischen Ausdruck, der den jungen noch fehlt. Sie nehmen dann den Kopf des Geliebten in beide Hände und blicken ihn zwar innig, aber auch eine Spur resigniert an. Es ist ein Ablassen und Entsagen in diesem Ausdruck, aber er steht nicht neben der Innigkeit, er ist identisch mit dieser. Sie schauen, als könnten sie auf den Grund der Unvereinbarkeit blicken, aber der Anblick erschreckt sie nicht mehr, wie es bei den jungen der Fall ist. Nein, sie blicken auf die Grundierung. Jede Liebe hat ihre Art Einsamkeit, und die reifen Frauen umarmen in der Liebe diese Einsamkeit mit. Sie ergreifen jeden Geliebten, als fragten sie: Und was wirst Du mir über das Ende der Liebe beibringen?”
Ein Zitat, der den “schlechten Gefühlszustand” in mir gut beschreibt, wenn ich gerade das Gefühl habe, “eigentlich” in einer guten Beziehung zu sein. Da gibt es dann diese Momente des Zweifels, der sich durchsetzt, wie ein Knacks. Die Liebe des Partners wärmt einen zwar wie ein warmer Sommerwind, aber der Genuss, so weiß es scheinbar das angeknackste Herz, ist nicht für ewig. Denn bald kommt der Winter. Und das Ziel ist es ja, die Wärme hinüber zu retten, oder nicht?
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